Joey Wimplinger

Der Sohn des Müllers (Inhalt kurz)

Der Sohn des alten Müllers, Hans, sieht sich der Präsentation seines Bau–Vorhabens umso weniger gewachsen, je näher der entscheidende Prüftermin rückt (seinem alten braven Vater konnte er leicht etwas vormachen, aber der Kommission?). Weshalb er im sozusagen letzten Augenblick beim Architekten-Notdienst um jemanden anfragt, der stellvertretend für ihn dem Hearing „standhalten“ kann (mit dem Ansinnen, dass er, Hans, nach „Zuschlag der Kommission“ wieder ganz und gar seinen eigenen Plänen nachgehen kann). Als der herbeigerufene Notfall-Architekt Paul jedoch erfährt, dass es nur um das „Ja der Kommission“ und nicht um einen Auftrag gehen soll, möchte er absagen. Weshalb Hans in einer nicht ganz begreifbaren Unruhe einiges in die Wagschale wirft – am Ende sogar das exklusive Familien–Baumhaus zur „Bauhütte“ entweiht und seine Braut Franziska obendrein als Assistentin vorschlägt (Vorteil: als geschickte Bauleiterin, als die er, Hans, (leichtlebiger) Sohn des alten Müllers, Franziska einst kennengelernt hat, ist Franziska mit Hans’ Plänen vertraut). Architekt Paul lässt sich umstimmen (vielleicht, weil und nachdem er Franziska gesehen hat), erfährt aber schon bald von Franziska, dass es dem in schnöde Parteiinteressen verstrickten Hans nur um den Zuschlag eines Grundstücks gehe. Der „Einreichung“ nämlich, die gewinne, falle das begehrte Grundstück nahe der Mühle zu. Der anschließende Gewerbebau, der von Hans tatsächlich vorgesehen sei, habe bloß eine Alibi-Hausmeisterwohnung und sei für Familien ungeeignet. Paul schlägt Franziska vor, das vorgetäuschte Projekt „durchzubringen“, aber als Paul–Franziska–Projekt. Das Grundstück anschließend selbst zu finanzieren und das der Kommission in Aussicht gestellte Objekt – die nachhaltig moderne Passivwohnanlage in Strohballenbauweise mit Lehmputz und Holzfassade – in Eigenregie tatsächlich zu bauen. Verrat am Auftraggeber? Verrat am Bräutigam? Franziska träumt im Baumhaus den Alptraum der Francesca da Rimini, indes der Müllerssohn tobt … er beschließt, den Ast, auf dem Paul und Franziska es sich richten wollen, „abzusägen“.

 Children (Lewin, Zemmari, Gustav) at Auenland, Hans (Rudolf Hauser) on his tractor © Wolfgang Lienbacher

Children (Lewin, Zemmari, Gustav) at Auenland, Hans (Rudolf Hauser) on his tractor © Wolfgang Lienbacher

Die Braut des Müllers (Inhalt genauer)

Der leichtlebige Sohn des alten Müllers, Hans, sieht sich der Präsentation seines Bau–Vorhabens umso weniger gewachsen, je näher der anstehende Termin rückt. Weshalb er im letztmöglichen Augenblick die Nummer des Architekten-Notrufs wählt und einen Architekten bestellt, der das Hearing (zwecks Öko–Bauen auf sensiblem Grundstück) für gutes Honorar professionell gestalten, nach Erfolg jedoch wieder „verschwinden“ soll (Akquisitionstätigkeit mit Honorar bei Erfolg).

Der zu diesem Zeitpunkt beim Architekten-Notdienst einzig diensthabende Architekt (Paul, er hat keine Verpflichtungen und leistet freiwillig Nachmittagsdienst) ist zwar nur Baumhaus-Architekt, rückt aber – der Darmstädter Eid gebietet es – zur Notfall–Betreuung aus.

Als besagter Paul jedoch im Zuge der ambulanten Erstversorgung (nach Ausstellen der Tagesmitgliedschaft) zu erkennen meint, dass er das fragliche Projekt (eine nachhaltig moderne Passivwohnanlage in Strohballenbauweise mit Lehmputz und Holzfassade) gar nicht planen und gestalten, sondern  nur an der Kommission „vorbeischwindeln“ soll („kein Architektenvertrag“), bricht er die ambulante Notversorgung ab und verweist auf einen für solche Fälle kompetenten Sorglos–Architekten.

 Gustav aiming a young hare © Wolfgang Lienbacher

Gustav aiming a young hare © Wolfgang Lienbacher

Der Sohn des alten Müllers, Hans, aber weiß ganz genau, dass er weder unter den Sorglos–Architekten noch sonst in so kurzer Zeit (außer vielleicht im übel beleumundeten Darknet) einen Architekten finden wird, der seinen Ruf plus Zulassung riskiert. Umgekehrt wundert sich Paul, dass ihm nicht der übliche Baubüro–Container, sondern das Lieblingsspielzeug des schandvollen Sohnes, ein auf der Weltausstellung erworbenes Expo–preisgekrönte Ferien–Baumhaus, von dem es  weltweit nur drei Exemplare gibt, als  „Büro vor Ort“ angeboten wird. Da stimmt doch etwas nicht.

 Franziska (Manuela Calleja Valderama) in a field of linseed © Wolfgang Lienbacher

Franziska (Manuela Calleja Valderama) in a field of linseed © Wolfgang Lienbacher

Und dass der leichtlebige, leichtfertige Sohn einem Höchstgebot gleich auch noch die eigene zukünftige Frau, Franziska (der Hochzeitstermin steht schon fest) ins Expo–preisgekrönte Ferien–Baumhaus entsenden will, um in abgeschiedener „Klausur“ mit Paul Vorhaben, Bedingungen und „Wünsche“ anhand von Bauplänen, zweier Laubsäge–Sets und einigen aus Fischer–Technik gebauten Beispiel-Objekten durchzugehen, macht Paul richtig stutzig; andererseits aber macht es auch Sinn: als designierte Bauleiterin kennt Franziska alle Rahmen– und Eckdaten der Einreichung. Auf Paul wiederum übt nicht nur das in Familienbesitz befindliche Baumhaus einen verlockenden Zauber aus, auch die zusätzlich angebrochene Stunde, die ihn in die Annehmlichkeit der lukrativen Vorabend–Anfahrtspauschale bringt, ist nicht ganz unwesentlich.

Aufgrund der gebotenen Eile (die Präsentation ist schon tags darauf) und des ohnehin allgemeinen Mangels an in Liebesfragen unerfahrenen Architekten bleibt Franziska kaum anderes übrig als mitzumachen (auch, weil sie Paul dadurch im Auge behält). Paul und Franziska fahren zu besagtem Grundstück, damit Paul einen Eindruck gewinnt, bevor es ans Arbeiten geht.

 Paul (Sami Similä) and Franziska (Manuela Calleja Valderama) at the tree house © Wolfgang Lienbacher

Paul (Sami Similä) and Franziska (Manuela Calleja Valderama) at the tree house © Wolfgang Lienbacher

Später, im Baumhaus. Nach Durchsicht der Pläne ist Paul sofort klar, dass der Vorschlag des jungen Müllerssohnes so niemals durch die Kommission kommt und insgesamt – Franziska möge Paul verzeihen – aussehe wie – ... . Franziska sieht keine andere Möglichkeit, als den „echten“ Bauplan herauszurücken. Den Plan, der gar kein Bauplan, sondern nur ein Plan zur schändlichen Geldvermehrung des in rücksichtslose Parteiinteressen verstrickten Müllerssohnes Hans ist. Es gehe gar nicht um die Wohnanlage, sondern nur darum, den Zuschlag für das Grundstück zu bekommen. Der anschließende (tatsächliche!) Gewerbebau, der errichtet werden solle, habe lediglich eine einzige Alibi-Hausmeisterwohnung. Die „Bewerbung“ aber, die gewinne, bekomme das Grundstück. Das sei der Punkt. Deshalb der Notruf. Ja, leider. Genau deshalb brauche man den coolen Vorzeige–Architekten, eben einen wie Paul, der die Einreichung glaubwürdig vertrete und weiß Gott das Dreifache des Honorars verlangen könne. Wahrscheinlich sei die Kommission ohnehin längst „geschmiert“. Und er solle sich einen Bart wachsen lassen, was für deine gelungene PowerPoint-Präsentation vielleicht die „halbe Miete“ sei. Franziska lacht ... eine Redensart mit „halber Miete“ ... im Bau- und Immobiliengewerbe ... ha ha ha. Und ob er nicht wenigstens ihr, Franziska helfen wolle, schließlich stünde auch ihre Zukunft irgendwie. Weibliche Raffinesse?

So einen Schwindel mache er nicht mit, sagt Paul, wodurch Franziska gegen ihren Willen merkt, dass Paul eine Chance auf ein ehrliches Leben ist. Paul begreift, dass Franziska eine Chance auf gestaltendes Leben ist. Beide fragen sich, ob sie zueinander passen und malen sich – jeder für sich – kleine Szenen aus, in denen sie sich mit dem jeweils anderen „in glücklichen Momenten“ sehen.

Paul schlägt Franziska vor, einfach zu tun, was zu tun ist: sich den Rest der Nacht um die Ohren zu schlagen, zum Hearing zu erscheinen und den Auftrag „durchzuziehen“ – als IHR Projekt. Und die „nachhaltig moderne Passivwohnanlage in Strohballenbauweise mit Lehmputz und Holzfassade“ MIT Franziska, aber OHNE Hans, den kläglichen Sohn des Müllers, zu verwirklichen.

 Franziska and Hans © Wolfgang Lienbacher

Franziska and Hans © Wolfgang Lienbacher

So wird das eben noch Aller–Schrecklichste, der hässliche Verrat am Verlobten (mit dem die Zukunft mit dem nichtswürdigen Hans zerbricht, noch „ehe“ sie begonnen hat) zum Ausweg für Paul und Franziska. Als ungewöhnlicher Schritt, dem eigenen Stillstand, dem drohenden Festsitzen, der abgekarteten Verplanung eines vorbestimmten Lebens zu entkommen (in einer schrecklich unbesonnenen, kopflosen, schuldverstrickten, übergeschnappten Beziehung? – Warum nicht!).

Zu später Stunde sind Paul und Franziska über ihren Träumereien eingenickt: Francesca da Rimini hätte einer Hochzeit mit dem hässlichen und missgestalteten Giovanni, der nach Herrschaft über Rimini giert, niemals zugestimmt. Weshalb Paolo für den Bruder stellvertretend eine Ehe mit Francesca schließt. Eine Stellvertreter-Hochzeit also, was damals gesetzlich erlaubt ist. Francesca aber tut, was sie nicht darf: sie verliebt sich in Paolo. Und hält an ihrer Liebe zu Paolo fest. Als Giovanni dies erkennt, will er die beiden töten. Franziska schreckt auf (was sind das für Geräusche) Hans, der Sohn des Müllers, tobt.

 Paul and Franziska spending the night in the tree house © Wolfgang Lienbacher

Paul and Franziska spending the night in the tree house © Wolfgang Lienbacher


Franziska im Auenland - invisible tale
23. Juni 2017 | Au bei Traun

 

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© Stefan Aglassinger, music by Squalloscope